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September
12
2007
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Nicht fragen – kaufen! Neues Altes von der „Rosa Paranoia“ – Eine laux’sche Kolumne |

Seit gestern bin ich endlich Spezialistin für die Deutsche Telekom: Ich kenne mich nun mit Telefonen und Faxen, deren Bedienung, Preise und der Hinlänglichkeit der Angebote, ja sogar der Ausbildungs- und Verkaufspolitik des rosa Giganten aus. Man darf gespannt sein:
„Nicht fragen…“, so begann einmal die Werbung für ein Hustenbonbon, das nebenbei auch den Atem erfrischt. Danach kann man sich dann „leer quatschen“ (aktueller Spot der Telekom, in verkaufsfördernder Absicht an den Fensterscheiben der T-Punkt-Läden geklebt) Freunde von Wassertieren wissen, welches „Gutzchen“ ich meine. Wer fragt, bekommt eine kalte Dusche.
Die habe ich gestern auch bekommen, nachdem ich das am Vortag erstandene Faxgerät zurück brachte, weil ich es auch nach 8 Stunden nicht installieren konnte. Ich habe da wohl eine gute Frustrationstoleranz, gepaart mit dem Ehrgeiz eine einmal begonnene Aufgabe auch zum Erfolg zu bringen:
Das Faxgerät kollidierte mit meinem Anrufbeantworter. Der wurde abgestellt und dafür habe ich eine T-Net Box installiert. Diese leitete aber alle Anrufe (ich habe kein ISDN) auf das Telefon, zumindest bei der Einstellung, zu der mir ein T-Net-Box-Call-Center-Agent riet. Der übrigens nach meiner PIN fragte und sagte mir, dass FAX und T-Net gar nicht zusammen funktionieren können.
Lange Rede, relativ kurzes Fazit, bereits an dieser Stelle: Die Produkte der Telekom harmonieren nicht miteinander und am Ende sind Sie besser beraten, Sie greifen auf das alte Blechdosenprinzip mit dem Bindfaden zurück.
À propos Beratung! Das Motto des Telekom Trainings-Centers (dort werden Mitarbeiter trainiert) lautet: „Gut sein, besser werben!“
Ich wollte für diesen Webblog-Eintrag nachfragen, wie der aktuelle Slogan auf den Papier-Tüten der Telekom-Produkte lautet, der in den Retail Stores an die Endverbraucher verteilt wird. Den kannte die Dame des Trainingscenters nicht. „Wir sind doch kein T-Punkt-Laden“, bemerkte sie unter lautem Lachen. Da sie offenbar auf Lautsprecher geschaltet hatte, lachte Jemand deutlich wahrnehmbar lauthals, höchst amüsiert mit. Wer zuletzt lacht... Jetzt werde ich erst richtig neugierig und wähle weitere Rufnummern des riesigen rosa Imperiums. Mein Telefon hat seinen Dienst ja noch nicht versagt.
An dieser Stelle Grüße an Bodo Bach. Telefonrecherche mit Rollenspiel macht Spaß!
Um 10:25h MEZ hörte man auf dem Band der „Deutschen Telekom AG KNL Ffm, ICSC“ in Düsseldorf, dass sie „vorübergehend nicht erreichbar ist“.
Ich gab mich bei den folgenden Telefonaten als Azubi-Aspirantin aus. Dank meiner jungen Stimme (, die unter „Sehen und Hören“ auf dieser Website leider verzerrt ist und daher u.A. wesentlich älter klingt) war das kein Problem.
So rief ich, bevor ich weitere Tipps für Telefonnummern bekam, „T-System“ an, eine „100-%ige Tochter der Telekom“, wie man mir nicht ohne Stolz erklärte. Vorher hieß das Töchterchen „Deutsche Telekom Network Projects und Services GmbH“ und firmiert auch noch so unter „das Örtliche“. Auch sie wusste nicht, wie der aktuelle Slogan lautet. Trotzdem sie doch Mitarbeiterin einer 100%igen Tochter der Deutschen Telekom ist. Dabei wollte ich doch bei meinem künftigen Bewerbungsgespräch als Azubi bei der Telekom einen guten Eindruck machen. Da muss man empfohlener maßen auf alle Fragen vorbereitet sein!
Und, was soll ich Ihnen sagen, liebe LeserInnen? Ich hatte soeben von der „T-System“ erfahren – es gibt sie: die Telefonnummer für Auszubildende, die „Azubi-Info“: 0800-298xxx! Dank der Ansage weiß ich nun auch, dass die Telekom ein „duales Studium“ anbietet. Ich ließ mich an die allgemeine Beratung durchstellen und gab mich als 26-Jährige aus, die sich als Verkäuferin in einem T-Punkt Laden ausbilden möchte und bereits erfolgreich bei einem Mitbewerber eines ebenfalls großen Unternehmens, dessen Namen ich aus Diskretion nicht nennen wollte in einer ähnlichen Abteilung erfolgreich gearbeitet hat. „Bedaure, eine 2. Ausbildung bieten wir nicht an. Wir wollen Menschen eine Chance geben, die eine (erste?) Ausbildung suchen.“ Nach dem dualen Studium fragte ich dann nicht mehr.
Die Telekom spart nicht. Nicht mit Tochterunternehmen, nicht mit der Anzahl ihrer Produkte, erst Recht nicht mit Werbung. Sie haben es ja eben gelesen: | „Gut sein: Besser werben!“ |
Ein Blick auf die gigantische Website der Rosa Paranoia zeigt z.B. folgende Hot Spot Begriffe: „Entertainment Comfort“ „Kobinieren und sparen“ „Robust“, “Praktisch“, „Kult Handy“ |
Die Verkäufer der T- Punkt Läden werden angehalten, in möglichst kurzer Zeit zu verkaufen und nicht zu beraten. Denn sonst bekommt der Kunde eine kalte Dusche. Mir empfahl ein Verkäufer freundlicherweise, die Gebrauchsanleitung zu lesen oder besser zu einem Mitbewerber zu gehen. Er sei Kaufmann und könne es sich nicht leisten, sich mit mir zu befassen. Er meinte damit, mich zu beraten.
Ich empfehle der Telekom folgenden Slogan:
„Reinkommen - Kaufen – Abhauen!“ oder „Komm’ herein, kauf ein und finde wieder heraus!“
Diese sehr offensive Haltung der Verkaufsstrategie der Telekom fand ich in meinen diversen Testanrufen bestätigt. Ich fragte, ob ich mit meiner Einstellung richtig läge, (die natürlich nur gespielt war), wenn ich in möglichst kurzer Zeit möglichst viel verkaufen möchte und Kundengespräche im Sinne des Unternehmens Telekom frühzeitig beende, deren Tendenz deutlich zeige, dass der Kunde nicht rasch zu einer Kaufentscheidung gelangt. Ja, damit läge ich richtig.
Noch einmal kurz zu den „Tipps“ meines, (realen) Verkäufers des T-Punkt-Ladens zurück: Die Gebrauchsanleitung hatte ich schon intus. Und zu einem Mitbewerber bin ich tatsächlich gegangen. Ein Einzelhändler, der sich um seine Kunden bemüht. Und er ist nicht einmal teurer und kann durchaus mit seiner „Strategie“, nämlich echtem Service, als selbstständiger Unternehmer existieren.
Ein mittlerweile abgesetzter Spot der Telekom lautete: „Erleben Sie’s einfach“.
Auf manches kann man verzichten. Das sagt wer? Na
die laux©
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September
08
2007
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Kultur-Tour in Ratingen – Ein Spiegel (schräger)vermittelter Werte der aktuellen Bildungspolitik? – Von Gisela B. Laux |
 Im Parkhaus aufgenommen
Oh, ich hatte mich sehr auf dieses Event gefreut. Ratinger Jugendliche organisierten im Jugendkulturjahr 2007 mit der Unterstützung des Kulturamtes, des Jugendamtes und der Rheinbahn die „Literatour zu fünf schrägen Orten in Ratingen.“
Warum „schräge Orte“? Klingt eigentlich ganz locker, ein üblicher Generatiolekt ( hier: Jugendsprache), der Ausdruck „schräg“.
Es war eine Busrundfahrt, bei der zunächst alles nach Plan lief. Ein Grußwort der stellvertretenden Bürgermeisterin (der Bürgermeister selbst hatte keine Zeit. Das drückte seine Vertreterin, die das gewohnt ist, sehr viel „netter“ aus.), die sich offensichtlich auf die Veranstaltung aufrichtig freute. Ein dickes Lob an den Vertreter der Rheinbahn, Dank an die Leiterin des Kulturamtes, Grußwort eines Mädchens aus dem Jugendbeirat. Biogetränke wurde ausgegeben, in fetzigem Alco-Pop-Design, „mit-ohne-Alkohol“. Brave Kids!
Erste Station war ein offenes Feld in Homberg, von einem freundlichen Bauern zur Verfügung gestellt.
Ein Schüler rezitiert professionell seinen selbst verfassten Text. Hinter ihm der Horizont. Er sitzt auf einem Camping-Klappstuhl, neben ihm eine sommerliche Fackel. Bänke für die ZuhörerInnen. Die Stimmung ist angenehm. Heiter.
Man steigt in den Bus und wird zum nächsten „schrägen Ort“ gefahren. Zu einer Tiefgarage. Ja, das ist ein schräger Ort für eine Lesung. Vor dem ebenfalls sehr beeindruckenden Autor, der kritische und sehr unterhaltsame, ebenfalls selbst verfasste Texte mit einer ansteckenden Lässigkeit vorträgt: Eine riesige Pfütze, in der sich die ZuhörerInnen spiegeln. Es ist nicht wirklich gemütlich. Dunkel, es schallt, und es ist feucht. Ohne die Darbietung wollte man hier keine fünf Minuten freiwillig stehen. Verdienter Applaus. Eine Geste des Dankes. Nun vermischt sich Lässigkeit ein wenig mit Verlegenheit. Wenn es gespielt war, war auch das sehr charmant und professionell. Wer weiß schon, was aus diesem Talent wird? Vielleicht ein erfolgreicher Autor? Ein Schauspieler?
Zurück in den Bus. Die hübsche Jung-Organisatorin moderiert die nächste Stadion an: Ratingen West. Papageienhaus. Ein schräger Ort?
Eine kurze Charakteristik von Ratingen West, wie ich es sehe:
Ein Stadtteil mit vielen Hochhäusern. Vordergründige Effizienz: Viele Mensche, gedrängt auf wenig Platz. Inmitten der Hochhäuser: Ein Einkaufszentrum, Schulen, ein Ärztehaus. Praktisch muss man Ratingen West nicht verlassen. Es ist Alles da, was man braucht, sogar Bäume und ein Brunnen. Regelmäßig finden dort Wochen und Flohmärkte statt. Und die Zelt-Zeit. Ein jährliches, kulturelles Ereignis, in dem sich Kabarettisten die Klinke geben. Bislang bin ich dort noch nicht aufgetreten. Aber, was nicht ist…. Dafür aber Schüler einer nahegelegenen Schule. Auch außerhalb der Zeltzeit, in der auch Prommis wie Dieter Nuhr auftreten, findet dort beachtliche Kultur statt. Fast möchte ich sagen: Ratingen West ist ein kultureller Geheimtipp.
Ein Ort, in dem es Alles gibt, was man braucht? Den man praktisch nicht verlassen muss? Wo gibt es dann denn? Wer will das denn? Ratingen West könnte ein Stadtteil sein, der in einem Sozialkundebuch - exemplarisch für „soziale Brennpunkte“ – herhalten könnte, mit folgenden Klischées, die immer weiter tradiert werden:
„Trabantenstadt“, „extrem hohe Arbeitslosigkeit, da keine oder schlechte (Aus-)Bildung“, „Frustration, fehlkompensiert durch diverse Süchte, Gewalt, Kriminalität“ und zu schlechter Letzt, in einem abfälligen Unterton „hoher Ausländeranteil“. Das Letzte: „Ghetto!“
Ein schräger Ort?
Wir werden zum sogenannten Papageienhaus gelotst. Ein Hochhausgebäude mit buntem Anstrich, aber auch düsterer Geschichte: Hier fanden Suizide statt. Menschen stürzten sich in den „Freitod“. So gewinnt der Name „Papageienhaus“ einen zynischen Beigeschmack. Zumal man Papageien die Flügel stutzt und sie in Käfige sperrt.
Die Bedrückung beim Heraufsteigen des engen Treppenhauses lässt nicht nach. Ziel: Ein Balkon einer 2-Zimmerwohnung im 5. Stock.
Bekritzelte Wände, eine sorgfältig verknotete Mülltüte, vertrockneter dunkle Rinnsaal in einer Ecke, der irgendwann in Kopfhöhe halt macht. Keine Pflanze, keine bunte Farbe. Hier kann man Angst bekommen. Als Fremder und als Bewohner erst recht. Denn wir sind nur für kurze Zeit hier, an diesem „schrägen Ort“. Die Bewohner leben hier.
Einige SchülerInnen scheinen dies zu verdrängen. Machen fiese Witze. Das ist noch bedrückender. Denn die Schüler sind durchaus intellektuell in der Lage, zu reflektieren, unter welchen Bedingungen Menschen hier leben. Ein Leben, das sich in seinen Grundfesten von den elterlichen Wohnungen der SchülerInnen, die hier gleichsam wie „Elend-Touristen“ durch das Haus gehen, sicher stark unterscheidet.
Wir bleiben auf einem Flur stecken, stauen uns. Ich bin ganz hintern und weiß nicht, warum es nicht weiter geht. Ein Schüler bemerkt in dem Ton eines betagten Menschen, der in seinem langen Leben nichts anderes als Ästhetik und Ordnung wahrgenommen hat, dass es hier „ja nicht so dreckig wäre, wie im Treppenaufgang“. Nicht so dreckig, wie er es „geglaubt“ hätte.
Glauben heißt Nicht-Wissen?
Das soll doch ein echt „schräger Ort“ sein!
Auf jeden Fall reagiert der Junge empört, als ich ihm sagen, dass er hier in einem Haus sei, in dem Menschen leben würden. Dies gälte es zu respektieren.“ Darauf empörte er sich, er sei doch nicht „arrogant“. Im engsten Wortsinne hatte er das aber soeben bewiesen. Hier helfen banale Lateinkenntnisse oder ein simples Wörterbuch. Wie un-schräg, da ‚mal hineinzuschauen!
Aufgewühlt durch die respektlose Stimmung der Schüler (Lautes Lachen auf dem Flur, abfällige Bemerkungen über die Bewohner und deren Situation) „Wir gehen ‚mal die Treppen ‚rauf. Einmal muss man das erlebt haben. (Lachen)“ bitte ich die stellvertretende Bürgermeisterin , die ganz hinten, am Ende der Schlange, steht zur Seite und bitte Sie, ein paar kurze Worte an die Schüler zu richten.
Zwar zeigt sie sich betroffen, unternimmt aber nichts, auch nicht nachdem ich hier später ein weiteres, in dem Fall wirkliches grausiges Zitat einer Schülerin brachte.
Wir stauten uns im 5. Stock des „Papageienhauses“ deshalb, weil wir die gebuchte 2-Zimmer-Wohnung nicht betreten konnten. Die Leiterin des Kulturamtes rief: „Wer hat denn hier den Schlüssel?“ Es stellte sich heraus, dass eine Familie (in der Wohnung befand sich das Ehepaar, im Gang kamen uns die zwei kleinen Töchter, uns freundlich lächelnd entgegen und wurden von der Masse der Schüler quasi zur Seite gedrängt. Ist das OK, weil es Kinder sind, die an einem „schrägen Ort“ leben? Muss man die übersehen?) gerade im Begriff war, die Wohnung zu beziehen.
Die Masse bewegte sich ein zweites Mal durch den Treppenaufgang, nun abwärts, nach draußen. Einige Texte werden auf einer Treppe vorgelesen. Akustisch unterbrochen von Flugzeuglärm. Einige Bewohner passieren die Szenerie. Texte über die hohen Außenwände der Hochhäuser, die dünnen Innenwände, durch die Weinen, aber auch Lachen durchdringe. Sozialromantik!
Kurze Aufklärung der Jung-Organisatorin. Unter Lächeln meinte sie über das Ehepaar: „Die haben vielleicht geguckt!“ „Verständlicherweise!“, warf ich ein. Kaum wahrzunehmen stimmte mir die Bürgermeisterin zu.
Trauriger Höhepunkt der deplatzierten Kommentare: Ein Mädchen bemerkt lachend bei der Rückkehr zum Bus: „Ich hatte Angst, da fällt Einer vom Hochhaus herunter!“
An dieser Stelle unterbreche ich meinen Bericht und komme zu meiner Frage:
Warum hat man im Bus (dort war ein Mikrophon) nicht ein, zwei Sätze zu der völligen Unsensibilität einiger Schüler gesagt, um diese zum Nachdenken anzuregen?
Man (darunter ein leitender Mitarbeiter des Jugendamtes und die Leiterin des Kulturamtes) sagte mir, das störe die Veranstaltung.
Man hätte dies ohne Drama gut integrieren können!
Noch ein Wort: An einem Ort wie Ratingen West zeigt sich, ob man Zusammenhänge verstanden und verinnerlicht hat. So helle Köpfe, wie die meisten dieser Schüler wären dazu „locker“ in der Lage. Ganz „easy“.
Wenn Sie beanspruchen, dass man ihre Bildung, Intelligenz und Eigenständigkeit wahrnimmt, dann sollten sie diese gerade an einem Ort wie Ratingen West unter Beweis stellen.
Ohne Zynismus, Larmoyanz und Sozialromantik. Denn das hatte gestern Ratingen West erst zu einem „schrägen Ort“ gemacht!
Gisela B. Laux
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September
07
2007
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Stellungnahme gegen unerwünschte Verlinkung mit dieser Website |
Ich habe in diversen Suchmaschinen feststellen müssen, dass es politisch(e) (motivierte) Gruppierungen gibt, die sich erdreisten, meinen Link und meinen Namen ungefragt auf ihre Website zu setzen.
Ich distanziere mich von derartigen Bündnissen ausdrücklich.
Die Betreffenden müssen mit Schadensersatzklagen etc. rechnen.
Meine Kunden möchte ich bitten, sich mit mir in Kontakt zu setzen, sollten Sie Rückfragen an mich haben, gleich welcher Art.
Lassen wir uns unsere gute Zusammenarbeit durch Provokateure nicht irritieren.
Es dankt Ihnen, Ihre
Gisela B. Laux
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September
06
2007
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Behandlung für Kassenpatienten im Sinne des hippokratischen Eides? Was rät das Männermagazin Men’s Health wissensdurstigen Männern ab 30 Jahren aufwärts? Eine laux’sche Kolumne |
 Foto: aboutpixel.de
„Mein Haus, mein Auto, meine Yacht, mein Männermagazin.“ Hier erhebe ich mal gleich den Anspruch auf Urheberrecht. Den Slogan darf mir Keiner klauen, das kostet Tantiemen.
Men’s Health und ich: Wir haben Etwas gemeinsam: Wir interessieren uns für intelligente, gepflegte und gesundheitsbewusste Männer und sie sollen sich für uns interessieren. Wobei ich mit Einem zufrieden wäre, und das trendige und trendsettende Männermagazin mit nur einem Leser rettungslos pleite ginge.
Und da besagte Zielgruppe sich freiwillig in Geiselhaft der Tipps von Men’s Health begibt, muss ich a.s.a.p., also as soon as possible erfahren, in welche Richtung die Kerle denn gerade geleitet werden. Ich begebe mich sozusagen an die Quelle.
Mal abgesehen davon, dass der Leitartikel „Endlich alle Frauengeheimnisse aufgedeckt“ einiger Kommentare meinerseits dringend bedürfe, um die von Men’s Health fehlgeleiteten „Jungs“ wieder einzunorden, machten mich die Tipps für Kassenpatienten, die eine Behandlung auf dem Niveau von Privatpatienten möchten, so richtig nachdenklich.
Auf geht’s!
„Patient 1. Klasse – So haben Sie beim Arzt beste Karten“.
Der Autor dieses Artikels ist eine Frau: Meine Kollegin Kirsten Segler.
Nachdem Sie Ihren Lesern noch einmal den Unterschied zwischen Kassen- und Privatpatient ins Gedächtnis ruft – von wegen unterschiedliche Wartefristen für einen Termin usw. - rät sie, so man bei akute Beschwerden zu beklagen hat, dass man den Hausarzt – frei nach der Devise „Delegieren Sie Ihren Arzt“ - darum bitten soll, einen anderen Arzt zu kontaktieren, weil: „Fachärzte und deren Mitarbeiter glauben einem Kollegen mehr als Patienten“. Kaum glaubt der geneigte Leser einen wertvollen Tipp bekommen zu haben, warnt ihn Frau Segler: „Solche Tricks verschaffen Ihnen aber nur selten den erhofften Vorsprung. Im Gegenteil: Auch Sprechstundenhilfen kennen die Masche, und es macht sie nicht kooperativer, wenn sie sich für dumm verkauft fühlen“.
Ja, Roger Cicero. Am Ende haben Sie Recht. „Fraun’ regiern’ die Welt“.
Frau Segler klärt uns darüber auf, dass Ärzte nur ein bestimmtes Budget für Kassenpatienten haben und – sollten sie dieses überschreiten – müssen sie die eigene Behandlung am Patienten aus eigener Tasche zahlen.
Ich kenne das schon. Ich habe schon mal bei einem Ex-Chirurgen, der sich mittlerweile als „Allgemeinarzt“ und „Sportmediziner“ verdingt, einen weinerlichen Zettel, der im Wartezimmer angebracht war, lesen müssen. Was ich nicht für angebracht hielt: Es war dort zu lesen, dass man von ihm Regress fordere, da er sein Kontingent überschritten habe. Und man solle bitte nur dringend notwendige Behandlungen von ihm einfordern. Das war ein Anschlag im doppelten Sinne, der gegen uns Kassenpatienten gerichtet war.
Ich kondoliere ungern einem Arzt wegen seiner vorgeschobenen, finanziellen Schwierigkeiten, wenn ich selbst eine Magen-Schleimhautentzündung zu beklagen habe. Mein Leidenskontingent ist irgendwann nämlich auch einmal erschöpft.
Die Leidensfähigkeit von Men’s Helth Lesern muss dagegen ungleich groß sein. Wo doch die Männer sonst wegen jedem Wehwechen gleich jammern! Ja ja: Ausnahmen bestätigen…usw.usf.
Kirsten Segler doziert über „Mischkalkulationen von Ärzten“ – ist das ein Kurs in medizinische Betriebswirtschaft? – und bringt ein kleines Lexikon für „Gesundheitsdeutsch“. Sehr nett. Schön fand ich den Begriff unter „O“: „Off-Label-Use: So nennt man den Ersatz von Medikamenten gegen andere Erkrankungen als die, für die sie eigentlich zugelassen sind“.
Das klingt ja mafiös! Ich nenne das Missbrauch von Medikamenten. Und das ist erlaubt? Diese Vokabel kommt mir eher so vor, als sei es ein Auszug aus dem literarischen Klassiker „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“!
Die von Frau Segler empfohlene Strategie gegen Beschiss beim Verschreiben eines Rezeptes: „Information und Kooperation. Finden Sie einen Arzt, dem Sie vertrauen und folgen Sie seinen Therapie-Empfehlungen.“
Wenn Sie mich jetzt beim Lesen dieser Stelle des Artikel gesehen hätten, hätten Sie mich bei einem sehr unvorteilhaften Blick ertappt: Stellen Sie sich einen sehr erstaunten Gesichtsausdruck vor: Ein langes Gesicht, mit einem vor Erstaunen heruntergezogenen Unterkiefer, die Lippen zusammengepresst und zu einem kleinen Kreis gespitzt, die Augen dagegen weit aufgerissen. Ich sagte ja. Unvorteilhaft. Jedes Frauenmagazin würde mich vor zu häufigen Gebrauchs einer solchen Mimik warnen, da Gefahr vor nicht mehr zu kompensierender Faltenbildung.
Wegen dieser leichten Unpässlichkeit, in die mich der Artikel meiner Kollegin brachte – nebenbei: ich bekomme panische Angst davor, den Glauben an die Fähigkeit von Männern mittlerer bis gehobener rationaler und emotionaler Intelligenz zu verlieren, die fähig sein müssten, kognitive Prozesse souverän zu bewältigen, frei von flacher, gewinnorientierter Beeinflussbarkeit – lese ich das Folgende quer und lasse es nun zu, über weitere intellektuelle Unwägbarkeiten dieses banal-journalistischen Etwas lediglich zu stolpern.
Zack: Und da haben wir’s schon. Die Weisheit aller Weisheiten, erinnert sie mich dich an das Niveau des 60er-Jahre Ratgebers „Liebeskunst und Eheglück“ (von dem unsäglichen Dr. Ferdinand Harvey der zum Beispiel das Sprichwort: "Warum eine Kuh kaufen, wenn man ein Glas Milch trinken will?" zitiert). ).
Ich zitiere Men’s Health (42 Jahre später):
„Doch auch mit dem umfangreichsten Wissen bewaffnet, können Sie einen Arzt nicht zwingen, Ihnen ein bestimmtes Präparat zu verordnen“.
Eine Frau gibt Männern Tipps und lotst sie in den Tunnel der Resignation. Und ich dachte immer, fiese Männer sind, neben der Tradierung sogenannter, „männlicher Werte“ und der daraus resultierenden „echten, männlichen Verhaltensweisen“ das Ergebnis von fiesen, hätschelnden Müttern, die ihren Söhnen einen Freibrief für Alles geben, eine Allround-Absolution.
Ich habe mich geirrt. Von dieser Erkenntnis muss ich mich jetzt erst einmal erholen, ganz im Sinne von Frau Segler, die ihren Artikel mit der Erkenntnis schließt, dass Heilung ein starkes Argument ist, sofern man eine Klage für adäquate, medizinische Behandlung gewinnen will.
Weise Selbsterkenntnis von wem? Na, von die laux
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September
02
2007
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I like Ratingen – „Ich mag Ratingen.“ – Flippt die laux jetzt aus? |
 Heute auf dem Ratinger Flohmarkt aufgenommen
Ja, stimmt: Ich mag Ratingen. Und das hat gedauert, bis ich so weit gekommen bin. Eine lange Zeit der Inkubation liegt hinter mir.
Woran liegt’s? Was ist passiert?
Erst kritisieren – dann loben:
Immerhin ist Ratingen eine sehr traditionelle und – mal ehrlich! – konservative Stadt mit einem starken Bedarf an Demokratie. (Den es zu decken gilt, liebe Freunde.) Wer mag schon gerne an mittelalterliche Foltermethoden wie das Anlegen von Daumenschrauben denken? Die „Dumeklemmer“ tun das. Mehr oder weniger bewusst. Es wird seit X-Jahren über den Rathausbau spekuliert, ich meine diskutiert. In den beinahe letzten 10 Jahren ist eine Menge Unschönes passiert, Notwendiges unterlassen worden. Reden wir nichts schön. Es gibt noch weiter viel zu tun. Ich nenne einfach mal die Stichworte „Toleranz“ und stelle Vororte wie „Hösel“ und „Ratingen West“ gegenüber.
Ratingen ist eine vermögende Stadt und der Ratinger Haushalt könnte seine Prioritäten so langsam aber sicher mal dahin rücken, wohin sie gehören. Nach dem Grundsatz: Erst um die „Schwächeren“ kümmern und sie stärken, damit sie auf eigenen Füßen stehen - und dann feiern.
Jetzt kommen wir zum springenden Punkt. Zur Kultur. Der „Kultfaktor“ Ratingens steigt und steigt meiner bescheidenen Einschätzung nach.
Da wurden Jugendprojekte gestartet und wer präsentiert diese? Die Jugendlichen selbst! Neben dem „Kultfaktor“ (gute Namensgebung) erwartet uns jetzt eine Lesung von Jugendlichen an verschiedenen Orten Ratingens. „Literatour an schrägen Orten“ (wieder gute Namensgebung) Ich habe mir gerade ein Ticket gekauft und bin tierisch gespannt. Als Autorin. Klar!
Letztes Jahr veranstaltete die Peter und Paul Kirche die „Nacht der Sinne“ (der Name wurde dem Erlebnis absolut gerecht. Ja, mehr als das!), über die ich selbst geschrieben habe. An dieser Stelle: Bitte noch mal so ein Event!
Ich mag unser Kino. Natürlich auch die Freilicht-Veranstaltungen.
Der Poensgen Park wurde 100 Jahre alt. Das machte er ganz von alleine. Aber wie er gepflegt wird und welche Feste dort stattfanden (auch Ausstellungen, Picknick, romantische Abende mit beleuchteten Bäumen und Tanz…), das ist eine andere Sache. Flora und Fauna rund um den Park sind idyllisch und regen zur Kommunikation an. Besonders über die zutraulichen Nager, über deren Art spekuliert wird und die man hoffentlich in Ruhe lässt. Dieses kleine Städtchen interessiert mich ehemalige Wahlmünchenerin immer mehr!
Ich erinnere mich auch an eine Faustinszenierung im Stadttheater, die von der Rheinischen Post völlig zu Unrecht schlecht beurteilt wurde. Die Hexenszene mit Lack-Klamotten zu inszenieren, war eine Art der Verfremdung, die genau die Atmosphäre – adaptiert an den aktuellen Zeitgeist – wiedergab, die Goethe beabsichtigt hat. Das stelle ich jetzt mal als Theaterwissenschaftlerin und Trend-Scout fest.
In Ratingen leben Menschen aus über 30 ethnischen Gruppen. Und das belebt auch „unsere“ Stadt. Zu merken ist dies nicht nur im Alltag. Zum Beispiel bei den Kaufleuten, die von ihrer Herkunft unterschiedlichen Ursprungs sind, sondern auch an diversen kulturellen Veranstaltungen. Mein Gott, wie kann man da durchatmen, im Gegensatz zum Schützenfest. Das wird einfach nicht mein Ding. Und das muss es auch nicht. Toleranz eben. Wo es geht. Für die Asylbewerber muss mehr getan werden!
Ich mag den Markt. Was wäre ein Samstag ohne ihn? Auch ohne Geruchsinn gibt er mir viel. Optisch und auch sonst. Ich hoffe, der Weihnachtsmarkt wird wieder schön. Das war er letztes Jahr nämlich nicht.
Wenn in Ratingen etwas schön ist, dann beruht das oft auf der Initiative der Bürger. Wir haben in unserer Stadt Künstler von vielen „Richtungen“. Unter anderem mich. Ich werde hier Foto-Ausstellungen machen und vielleicht lässt man mich wieder als Kabarettistin auf die Bühne. In Mettmann war ich eher der Tölpel der Kabarettisten. Aber so Etwas muss man durchmachen. Entschuldigung und Dank nachträglich an mein geplagtes Publikum. Es kommt auch ganz bestimmt nie wieder vor. Dass ich meinen Text nicht beherrsche…Aber mit den Ratingen hat’s mir – so zwei Tage vor Eröffnung der Fußball-WM – die gesamten 2 Stunden im Medienzentrum, meinem zweiten Zuhause, Spaß gemacht. Ein sehr angenehmes Debüt, das dank des „Ratinger Sprungbrettes“ (warum nutzt das keiner sonst?) möglich war.
So.
Wir brauchen wieder einen Ratinger Kulturtag. Das sollte nicht mehr passieren, dass der ausfällt. Wird es doch auch nicht, oder?
Bevor ich hier schließe, möchte ich noch eines outen: Eine der schlimmsten Beleidigungen sollte mal sein „angepasster Ratinger“. Das würde ich heute nicht mehr so empfinden. Solange ich dieses Ratingen mit gestalten darf.
Gegrüßt seien an dieser Stelle meine Kollegen und Kolleginnen aus der Kunst und dem Journalismus und die Entscheider, die uns weiter sponsern und genießen (dürfen). Denn davon haben sie was. Das weiß ich.
In diesem Sinne. Spricht wer? Na,
die laux
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