September

23

2007

Ozapft is! - Die Laux vermisst München – Eine laux’sche Kolumne


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Naja, eigentlich vermisse ich München ohne Ende. Ich könnte schwelgen…Mei o mei!
Jeder, der einmal eine zeitlang in München gelebt hat - ich meine so richtig: mehrere Jahre - der sagt, dass das die schönste Zeit war. Ich habe 1988 bis 1995 dort gelebt. Und: Schä woars. Astrein!

Die Ludwig-Maximilians-Uni habe ich zuerst putzender- und dann erst studierender weise kennengelernt. Ja, im Ernst! Damals fand dort ein Psychiaterkonkress statt und das Gebäude wurde 1A herausgeputzt, teilweise sogar frisch gestrichen. Durch die Studentenvermittlung des Arbeitsamtes – ich war bereits immatrikuliert – ließ ich mich einer putzmunteren Putz-„Truppe“ zuteilen. Ich lernte die ersten Leute, schon vor Semesterbeginn kennen. Was kann Einem denn besseres passieren?

Abends haben wir den Psychos dann Bier ausgeschenkt. War des eine Gaudi, sog I Iane! Ein Psychiater kniete irgendwann sturzbesoffen - ehm: angeheitert! - vor mir und stammelte mir einen Antrag. Abgründe bayerischer oder humanmedizinisch geschulter Art taten sich vor mir auf. Und so gewöhnte ich mich in München schnell ein.

Und da gab es in der Türkenstraße, mitten in Schwabing noch das Allotria. Eine echte, urige Jazzkneipe, ja eher ein riesiges Lokal, in dem es gut gelaunt und a bisserl schräg zuging. Aber Alles recht nett. Als das Allotria umzog, kam da eine stylische Kneipe herein. Aha, jetzt also auch hier, so nahe an unserer Uni. (Heut’ solls ja voll von dena Läda sain.)

Im Arri Kino konnte man nicht nur auf großen Leinwänden die neuesten Filme anschauen, sondern auch im Publikum der „Gaierwalli“ sitzen, eine der ersten, echt, ätzenden Comedy-Shows. „Echt ätzend“ war auch der „Warm Upper“, der uns ein paar Kohl-Witze (Ja, der war da damals Kanzler. Sie erinnern sich.)erzählte. Auf uns waren derweil Kameras wie Kanonenrohre gerichtet und jeder Lacher wurde gefilmt. Ich saß mittendrin und war eine militante Lachverweigerin, was tatsächlich auffiel. Der Warm-Upper wollte mich zum Gespött machen, als er merkte, dass bei mir keiner seiner Spar-Witze funzte und er mich aber auch rein gar nicht aus der Reserve lockte. Immerhin: Ich musste nicht gehen. Man hatte dann eben später im Edit (Filmnachbearbeitung) andere Schüsse von Lachern eingebaut. Außerdem sagte man uns kurz vor der Aufzeichnung, dass wir jetzt nicht mehr das Studio verlassen dürfen. „Jetzt geht auch keiner mehr auf die Toilette.“ Das war keine bayerisch, rustikale Ansage. Das war die klare, unmissverständliche Sprache des Show-Bizz!

In der Schellingstraße machte ich ein Praktikum bei Tele 5. Tele cinque heißt das in Italien, auf Italienisch. Einmal musste ich Hella von Sinnen mit einer –„Ahhh, mein Jott, Liebelein!!!“ überraschen und ich sollte vor einem Hypnotiseur eine kataleptische Starre simulieren; denn eigentlich sollte das ein Beitrag für die Redaktion „Klartext“ werden und ich sollte tatsächlich hypnotisiert werden. Es ging einfach nicht. Erstens bekam ich einen Lachkrampf, als der schwarz gekleidete Hypnotiseur mit einer Totenkopfkette seine Wurstfinger vor mir ‚rumfuchtelte, ganz in dem Stress, mich dadurch erfogreich in einen hypnotischen Zustand versetzen zu müssen. Das endete dann – ohne Witz! – damit, dass ich ihn bat, sich einmal hinzusetzen und mir gut zuzuhören. Es ging nun einmal nicht, sagte ich. Und wir sollten das doch auch so bringen. Das würde ihn doch seriös da stehen lassen, wenn er bekennt, dass das eben nicht bei jedem Menschen funktionieren kann. Sagte ich.

Naja, er geriet dann echt sauber in Panik und schlug vor, ich solle mich auf zwei Stühle legen: Der eine unter meinem Kopf, der andere unter meinen Füßen. Und den Rest sollte ich dann anspannen. Ich fake doch nicht! Aber man ist ja Philanthrop und probiert es. Und kracht wegen eines erneuten Lachkrampfes zusammen. Was nicht geht…! Der Hit sollte übrigens sein, dass eine Tussi mit Stöckelschuhen auf mir herum latscht. Den Zahn habe ich ihr schon vor dem Waschbecken-Spiegel im Toilettenhäuschen ziehen wollen. Aber sie glaubte mir nicht. Ein oberschnippisches „Das werden wir ja sehen“ sollte dann wohl mir zeigen, wo der Praktikantenhammer hängt. Die Hypnose konnte dann nicht gesendet werden und mein Vorschlag, dass ich vor der Kamera erzähle, dass ich wohl nicht das richtige Medium sei, wurde dann allen Ernstes umgesetzt. Und mein Pulli sah so bescheuert aus! Man möge das Filmmaterial sonst wohin getan haben. Hoffentlich an einen Platz, wo man es nicht findet. Bitte!

Im Bavaria Film Zentrum habe ich 2 Tage Führungen gemacht. Ich hab’s dann gelassen; denn Animation ist nicht mein Ding. Aber ich habe noch das dicke Buch, in dem alle Infos über „Das Boot“, „Stalingrad“ und Michael Endes „Unendliche Geschichte“, „Vater und Söhne“, „Enemy Mine – Geliebter Feind“ und die beiden Staffeln der „Roten Erde“ enthalten sind. Ein echter Schatz. Den ich gerade wieder herausgekramt habe. Ordnung ist ‚was wert, stelle ich gerade fest. Auch die beruhigt.

Ach ja , München.

Da sind die schnöseligen Starnberger nicht weit. Die mochte ich nicht, da sie doch sehr elitär waren. Aber der See! Poah! Ein Traum. À propos Wasser! Der Kleinhesseloher See inmitten des superschönen englischen Gartens und die Isar! Ich heule! Der englische Garten ist frühmorgens im Herbst der Hammer, wenn die Morgensonne erstrahlt und man die Nebelschwaden sieht. Warum ist das Vergangene so schön? Mit dem Rad entlang der Isar tut der Figur und der Seele gut. München ist so weit weg!

Das Oktoberfest vermisse ich nicht so. Mir ist es bis heute ein Rätsel, warum alle klatschen, wenn ein hoch bezahlter Bürgermeister „Ozapft is!“ jauchzt. Wenn ich eine Blume pflüge und sie einem Fremden zeige und wie ein kleines Mädchen sage: „Schau’ mal, wie schön!“, würde man mich für bekloppt halten. Dabei ist so eine Blume wirklich schön und ich würde das auch gerne mal wieder einfach so sagen. Selbst einem Fremden.

Das Haus in der Türkenstraße ist mittlerweile abgerissen. Es lag beim „Spiegel Deubel“, einem Fachgeschäft für eben, na: Spiegel. Man konnte da im Innenhof ab und zu Spiegel ergattern, die an der Mülltonne angelehnt waren, und die der Spiegel Deubel „Geh doch zum Deubel“ (Werbeslogan) entsorgen wollte.

Mein ganz arg geliebtes „Türkendolch“, ein kleines, intimes Kino ist auch nicht mehr da. Ich habe dort Kurzurlaube in den Filmen „Der Duft der Papaya“ und „Der Mann der Friseuse“ gemacht.

Im „La Bohème“ konnte man italienisch vom Feinsten essen. In der Amalienstraße betrank ich mich einen Tag, spät Abends, vor meiner Magisterarbeit in Germanistik mit Guiness und Amaretto bei einem Iren und hatte die Eingebung schlechthin: Die Fragen der Klausur, zu der ich dann am nächsten Tag erschien und die ich mit einer zwei minus bestand.

Ich könnte über Vieles zu Recht ablästern. Über die schwarzen Sheriffs, über reaktionäre Seppelhutträger, die sich über „Ausländer, nix oas Ausländer hia!“ beschweren und fremder als fremd mit ihren ollen, abgewetzten Klamotten und „Ansichten“ waren.

Ich könnte erzählen, dass ich den Vorgänger vom Stoiber (Max Streibl, o ha!) im Puffviertel gesehen habe und, was ich ihm zuraunzte, dem depperten Volldepp. Ich könnte outen, dass Bully Herbig seine Karriere im Strauß-Sohn-Sender TV weiß blau, begann, was ich hiermit getan habe.

Ich könnte erzählen, wie definitiv nahe inhaltlich die CSU den Republikanern steht. Aber: Des wissen’s ja selbst!

Das Ende naht. Das Ende vom diesjährigen September. Das Ende der stoiberschen Amtszeit als Ministerpräsident von – äh – von – äh – ja, wissen Sie: BAYERN. Der Mann spricht keinen einzigen Satz fehlerfrei „pfailgrodaus“, aber er wird Berater des Europarats. Wenn dieser Gedanke kein Alptraum meinerseits ist. Oder: Besser: doch!

Ich zieh mir einen Wonder Bra an und fühl mich wunderbar. Als trüg ich ein Dirndl. Grüße an Frau Pauli, die mit ihren jüngsten Vorschlägen zeigt, dass sie nicht mehr alle Latten am Zaun hat. (Ehe per Gesetz nach 7 Jahren cutten)

München jedenfalls, vermisse ich. Vielleicht liest’s ein fescher Münchener (nicht CSU’ler etc.!)…

Träumt wer? Na,

die laux©


P.S. Künftig auch http://www.iposs.de/blog/ lesen!
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