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Mai
10
2007
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Bewerbungsgespräch - Bluffen statt Kommunizieren? |
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Ja, das Thema bleibt aktuell: Menschen werden massenweise gekündigt - oh, Verzeihung: die neue Bezeichnung der rosa Paranoia heißt ja "Auslagerung" - und da sollte es nach einer gelungenen, schriftlichen Bewerbung vor der Türe stehen: Das Bewerbungsgespräch.
Die Buchläden, Bibliotheken, die E-Mail Accounts von Portalen für Arbeitsplatzangebote und Bewerber sind voll davon, auch so mancher privater Bücherschrank: Von Tipps für die erfolgreiche Bewerbung.
Angesichts des hohen Ungleichgewichts von Arbeitsplatzangebot und Bewerbern sind diese Gespräche meist nichts anderes als eine Farce. Der Bewerber unterzieht sich stereotypen Fragen. Und oftmals ist die Entscheidung für oder gegen ihn bereits vor dem Bewerbungsgespräch gefallen.
Der Bewerber ist Bittsteller, tanzt auf dem Tisch. Und genau das sollte der potentielle Arbeitgeber nicht merken. Souverän bleiben heißt die Devise. Sich den Fragen der Interviewers stellen, sichere Körperhaltung bewahren, Blickkontakt halten, lächeln uswusf.
Aber es sind ja nicht nur Personalentscheider professionell, sondern auch die Bewerber. Auch, was den Hintergrund der Fragen betrifft. Warum also das Spiel mitspielen?
Authentisch sein. Diese Begrifflichkeit ist doch nun den Meisten bekannt.
Sollten Sie merken, dass der Arbeitgeber Sie an der Nase herumführt, Sich schon gegen Sie entschieden hat, was Sie z.B. bereits an der Begrüßung erkannt haben, so behalten Sie doch mal folgende Antworten auf folgende - Ihnen längst bekannte Fragen - im Hinterkopf. Denn das macht Sie wirklich souverän.
Hier kommt die Liste, liebe Bewerber und Bewerberinnen, die Sie wissen, was sie wirklich wert sind:
nachfolgend: A = potentieller Arbeitgeber B = Bewerber
A: Guten Tag, haben Sie gut hierher gefunden? B: Ich weiß nicht, Ich wollte zur Firma XY (richtigen Namen nennen) in der XYZ-Straße (dito) und habe einen Termin mit Herrn/Frau (dito). Bin ich hier richtig?
A: Können Sie bitte hier im Meetingraum etwas warten, Frau XY kommt gleich zu Ihnen? B: Ich bin arbeitslos, da habe ich 'ne Menge Zeit zu warten.
A: Darf ich Ihnen ein Getränk anbieten? B: Ja, was haben Sie denn anzubieten?
A: Möchten Sie etwas von diesen Keksen nehmen? B: Oh, das sage ich nicht nein. Wieviele Bewerber kommen denn heute noch? Nicht, dass ich Jemandem die Schokoladenkekse wegesse.
A: Warum haben Sie sich gerade in unserem Unternehmen beworben? B: Ja, ich habe mich natürlich auf der Website Ihres Unternehmens umgeschaut. Beim Durchforsten der Fotos der dort abgebildeten Mitarbeiter ist mir aufgefallen, dass hier Einige wirklich sehr attraktiv sind. Ich schätze, Sie haben ein sehr gutes Betriebsklima.
A: Was wissen Sie über die Branche, in der wir tätig sind? Tipp an B: Halten sie einen 4-stündigen Vortrag über die Branche. Mit Rückblick, Konkurrenzanalyse, die Pressemeldungen der letzten 5 Jahre, falls das Unternehmen schon so lange existiert.
A: Verfügen Sie bereits über Anknüpfungspunkte zu unserem Unternehmen? B: Ich bin diskret. Sie können auf meine Verschwiegenheit zählen.
A: Wie steht es um Ihre Mobilität? B: Oh, kein Problem, dass Sie ein Briefkastenunternehmen sind. Das wußte ich nicht, aber selbstverständlich kann ich mich darauf einstellen.
A: Worin sehen Sie Ihre besonderen Schwächen? B: Ich kann über sie nicht reden. Ist das nicht schrecklich?
A: Ich sehe in Ihren Unterlagen, dass Sie unverheiratet und kinderlos sind. Bei Ihrem Alter müssen wir uns ja keine Sorgen machen, dass Sie schwanger werden. B: Nein, das wird er bestimmt nicht.
A: Was möchten Sie in fünf Jahren beruflich erreicht haben? B: Sie meinen: Hier, in diesem Unternehmen? Heißt das, das wir über einen 5-Jahres-Vertrag reden?
A: Was bedeutet Ihnen Kritik und wie gehen Sie damit um? B: Also, wenn ich kritisiere, dann mache ich das ganz sachlich. Man darf niemals persönlich werden.
A: Welche Hobbies haben Sie? B: Bedaure, ich habe heute Abend keine Zeit.
A: Bei welchem Unternehmen haben Sie sich noch beworben? B: Da ich umsichtig bin: Bei dem Unternehmen, an das Sie ehemalige Mitarbeiter "ausgelagert" haben.
A: Wie würden Sie sich charakterisieren? Worin sehen Sie Ihre besonderen Stärken? B: In meiner Weitsicht. In erster Linie meine Erfahrung, mein Fachwissen und meine Universalität. Sprechen wir darüber heute auch noch?
Viel Erfolg! Wünscht die laux
P.S. Wer A sagt, muss auch B sagen, sprach B zu A.
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