September

12

2007

Nicht fragen – kaufen! Neues Altes von der „Rosa Paranoia“ – Eine laux’sche Kolumne



Seit gestern bin ich endlich Spezialistin für die Deutsche Telekom: Ich kenne mich nun mit Telefonen und Faxen, deren Bedienung, Preise und der Hinlänglichkeit der Angebote, ja sogar der Ausbildungs- und Verkaufspolitik des rosa Giganten aus. Man darf gespannt sein:

„Nicht fragen…“, so begann einmal die Werbung für ein Hustenbonbon, das nebenbei auch den Atem erfrischt. Danach kann man sich dann „leer quatschen“ (aktueller Spot der Telekom, in verkaufsfördernder Absicht an den Fensterscheiben der T-Punkt-Läden geklebt) Freunde von Wassertieren wissen, welches „Gutzchen“ ich meine. Wer fragt, bekommt eine kalte Dusche.

Die habe ich gestern auch bekommen, nachdem ich das am Vortag erstandene Faxgerät zurück brachte, weil ich es auch nach 8 Stunden nicht installieren konnte. Ich habe da wohl eine gute Frustrationstoleranz, gepaart mit dem Ehrgeiz eine einmal begonnene Aufgabe auch zum Erfolg zu bringen:

Das Faxgerät kollidierte mit meinem Anrufbeantworter. Der wurde abgestellt und dafür habe ich eine T-Net Box installiert. Diese leitete aber alle Anrufe (ich habe kein ISDN) auf das Telefon, zumindest bei der Einstellung, zu der mir ein T-Net-Box-Call-Center-Agent riet. Der übrigens nach meiner PIN fragte und sagte mir, dass FAX und T-Net gar nicht zusammen funktionieren können.

Lange Rede, relativ kurzes Fazit, bereits an dieser Stelle: Die Produkte der Telekom harmonieren nicht miteinander und am Ende sind Sie besser beraten, Sie greifen auf das alte Blechdosenprinzip mit dem Bindfaden zurück.

À propos Beratung! Das Motto des Telekom Trainings-Centers (dort werden Mitarbeiter trainiert) lautet: „Gut sein, besser werben!“

Ich wollte für diesen Webblog-Eintrag nachfragen, wie der aktuelle Slogan auf den Papier-Tüten der Telekom-Produkte lautet, der in den Retail Stores an die Endverbraucher verteilt wird. Den kannte die Dame des Trainingscenters nicht. „Wir sind doch kein T-Punkt-Laden“, bemerkte sie unter lautem Lachen. Da sie offenbar auf Lautsprecher geschaltet hatte, lachte Jemand deutlich wahrnehmbar lauthals, höchst amüsiert mit. Wer zuletzt lacht... Jetzt werde ich erst richtig neugierig und wähle weitere Rufnummern des riesigen rosa Imperiums. Mein Telefon hat seinen Dienst ja noch nicht versagt.

An dieser Stelle Grüße an Bodo Bach. Telefonrecherche mit Rollenspiel macht Spaß!

Um 10:25h MEZ hörte man auf dem Band der „Deutschen Telekom AG KNL Ffm, ICSC“ in Düsseldorf, dass sie „vorübergehend nicht erreichbar ist“.

Ich gab mich bei den folgenden Telefonaten als Azubi-Aspirantin aus. Dank meiner jungen Stimme (, die unter „Sehen und Hören“ auf dieser Website leider verzerrt ist und daher u.A. wesentlich älter klingt) war das kein Problem.

So rief ich, bevor ich weitere Tipps für Telefonnummern bekam, „T-System“ an, eine „100-%ige Tochter der Telekom“, wie man mir nicht ohne Stolz erklärte. Vorher hieß das Töchterchen „Deutsche Telekom Network Projects und Services GmbH“ und firmiert auch noch so unter „das Örtliche“. Auch sie wusste nicht, wie der aktuelle Slogan lautet. Trotzdem sie doch Mitarbeiterin einer 100%igen Tochter der Deutschen Telekom ist. Dabei wollte ich doch bei meinem künftigen Bewerbungsgespräch als Azubi bei der Telekom einen guten Eindruck machen. Da muss man empfohlener maßen auf alle Fragen vorbereitet sein!

Und, was soll ich Ihnen sagen, liebe LeserInnen? Ich hatte soeben von der „T-System“ erfahren – es gibt sie: die Telefonnummer für Auszubildende, die „Azubi-Info“: 0800-298xxx! Dank der Ansage weiß ich nun auch, dass die Telekom ein „duales Studium“ anbietet. Ich ließ mich an die allgemeine Beratung durchstellen und gab mich als 26-Jährige aus, die sich als Verkäuferin in einem T-Punkt Laden ausbilden möchte und bereits erfolgreich bei einem Mitbewerber eines ebenfalls großen Unternehmens, dessen Namen ich aus Diskretion nicht nennen wollte in einer ähnlichen Abteilung erfolgreich gearbeitet hat.
„Bedaure, eine 2. Ausbildung bieten wir nicht an. Wir wollen Menschen eine Chance geben, die eine (erste?) Ausbildung suchen.“ Nach dem dualen Studium fragte ich dann nicht mehr.

Die Telekom spart nicht. Nicht mit Tochterunternehmen, nicht mit der Anzahl ihrer Produkte, erst Recht nicht mit Werbung. Sie haben es ja eben gelesen:
„Gut sein: Besser werben!“


Ein Blick auf die gigantische Website der Rosa Paranoia zeigt z.B. folgende Hot Spot Begriffe:

„Entertainment Comfort“
„Kobinieren und sparen“
„Robust“, “Praktisch“, „Kult Handy“


Die Verkäufer der T- Punkt Läden werden angehalten, in möglichst kurzer Zeit zu verkaufen und nicht zu beraten. Denn sonst bekommt der Kunde eine kalte Dusche. Mir empfahl ein Verkäufer freundlicherweise, die Gebrauchsanleitung zu lesen oder besser zu einem Mitbewerber zu gehen. Er sei Kaufmann und könne es sich nicht leisten, sich mit mir zu befassen. Er meinte damit, mich zu beraten.

Ich empfehle der Telekom folgenden Slogan:

„Reinkommen - Kaufen – Abhauen!“ oder „Komm’ herein, kauf ein und finde wieder heraus!“

Diese sehr offensive Haltung der Verkaufsstrategie der Telekom fand ich in meinen diversen Testanrufen bestätigt. Ich fragte, ob ich mit meiner Einstellung richtig läge, (die natürlich nur gespielt war), wenn ich in möglichst kurzer Zeit möglichst viel verkaufen möchte und Kundengespräche im Sinne des Unternehmens Telekom frühzeitig beende, deren Tendenz deutlich zeige, dass der Kunde nicht rasch zu einer Kaufentscheidung gelangt. Ja, damit läge ich richtig.

Noch einmal kurz zu den „Tipps“ meines, (realen) Verkäufers des T-Punkt-Ladens zurück: Die Gebrauchsanleitung hatte ich schon intus. Und zu einem Mitbewerber bin ich tatsächlich gegangen. Ein Einzelhändler, der sich um seine Kunden bemüht. Und er ist nicht einmal teurer und kann durchaus mit seiner „Strategie“, nämlich echtem Service, als selbstständiger Unternehmer existieren.

Ein mittlerweile abgesetzter Spot der Telekom lautete: „Erleben Sie’s einfach“.

Auf manches kann man verzichten. Das sagt wer? Na

die laux©



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